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Die Altmark
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Die Besiedelungsgeschichte der Altmark begann in der Steinzeit.
Wir wissen nicht viel von den damaligen Bewohnern und was mit ihnen geschah.
Hünengräber und Grabbeigaben belegen jedoch eine frühe Sesshaftigkeit.
In frühgermanischer Zeit gehörte das Gebiet der späteren Altmark zum Siedlungsraum der
Langobarden,
die es jedoch im Zuge der Völkerwanderung wieder verließen. Die zurückgebliebene Bevölkerung (Westgermanen, vorwiegend Herminonen) vermischte sich im Laufe des 7. Jahrhunderts mit eingewanderten Lutizen und anderen slawischen Stämmen.
Am Ende des 8. Jahrhunderts, nach der Unterwerfung der Sachsen durch Karl den Großen, wurde die spätere Altmark Teil des fränkischen Herrschaftsbereiches. Seitdem ist sie
auch militärisches Sicherungsgebiet gegen Angriffe aus dem slawischen Raum sowie Ausgangsbasis für die Vorstöße deutscher Herrscher nach Osten.
Der Wendenaufstand im Jahre 983 veränderte vorübergehend die Lage. Die Bischofskirchen von Brandenburg und Havelberg werden niedergebrannt, ein Großteil der Siedler
muss der Übermacht weichen. Als Folge wurde der Machtbereich der Markgrafen der Nordmark auf die spätere Altmark beschränkt.
Albrecht der Bär erhielt 1134 von Kaiser Lothar den Markgrafentitel und unter ihm und seinen Nachfolgern begann die erneute Besiedelung des Landes vor allem mit Bauern aus den Niederlanden.
So geht die Stadt Seehausen beispielsweise auf eine niederländische Kolonie zurück.
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Seit dem 14. Jahrhundert wird das Gebiet "Alte Mark" (Marchia antiqua - altes Grenzland) genannt, um es gegen Mittel- und Neumark abzugrenzen. Erstmals erscheint dieser Begriff in einem Aussöhnungsbrief des Markgrafen Ludwig des Römers mit der Stadt Stendal. |
Unter den neuen politischen Verhältnissen kam es zu einem wirtschaftlichen Aufschwung der Gegend. Arbeit gab es genug und durch den Zuzug von Neusiedlern aus Flandern, Friesland und dem Rheinland kam es zu einem für die damalige Zeit bemerkenswerten Wohlstand.
Als Bindeglied und Schnittpunkt bedeutender Handelswege zwischen Osteuropa und den Hansestädten an der Nord- und Ostsee wurden alle altmärkischen Städte schließlich selbst Mitglieder der Hanse. In der Folge mehrten sich Neid und
Missgunst und politische Intrigen der Herrscherhäuser ließen die Verhältnisse unruhig und unsicher werden.
Noch wehrten sich die selbstbewusst gewordenen Städte und ihre Vertreter, aber im 15. Jahrhundert kam es immer wieder zu Unruhen, die sich nicht selten in Scharmützeln mit der Obrigkeit entluden. Als Kurfürst Johann Cicero 1488 eine zusätzliche Steuer auf das Bier erhebt, kommt es zum sogenannten Bierziesekrieg! Der Aufstand bleibt erfolglos und wird blutig niedergeschlagen, die Biersteuer wird verdoppelt, das wirtschaftliche Rückgrat der Gegend gebrochen.
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Nachdem wir uns in diesem Händel der Biersteuer halber gegen unseren gnädigsten Herren und den Rat der Stadt Stendal ungehorsam und widerwillig gezeigt und gehalten haben, hat uns unser gnädigster Herr mit Gnade und auf Fürbitte des genannten Rates in gnädige Strafe genommen, wofür wir mit Fleiß unseren gnädigen Herren und dem Rat danken. Wir versprechen und geloben - dem
Ratschluss folgend -, nicht auf Hass gegen unseren gnädigen Herren oder die Herrschaft zu sinnen oder jemanden in solchem Sinne zu beeinflussen, sondern uns als gehorsame Untertanen zu halten und erweisen, uns folgsam nach bestem Vermögen vor Aufruhr und Ungehorsam zu bewahren, wobei uns Gott und die Heiligen helfen mögen.
(Schreiben von Bürgern nach der Niederlage. Zit. nach Götze: Urkundl. Gesch. d. Stadt Stendal.)
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Die Reformation fällt auf fruchtbaren Boden in der Altmark. Lange bevor der Kurfürst am 1. November 1539 offiziell das evangelische Bekenntnis ablegt,
sympathisiert die Bevölkerung mit den Lehren Luthers. Seine Schriften waren zwar verboten, dennoch verteilte man sie unter der Hand und lauschte begierig reformatorischen Predigern.
Der Dreißigjährige Krieg zerreißt nicht nur weite Teile Europas, sondern vollendet, was die Gier des Adels begonnen hatte. Die wirtschaftliche Bedeutung der Altmark und der damit verbundene Wohlstand ihrer Bevölkerung ist dahin. Die Burg "Isenschnibbe" der Herren von Alvensleben wird ebenso ein Opfer der
Verwüstungen, wie weite Teile der Altmark. Kaum ein anderes Gebiet hatte derart unter dem Wechselspiel des Krieges zu leiden gehabt. Eine Katastrophe, von der sich die Gegend erst Jahrhunderte später wieder erholen sollte.
Teile der Bevölkerung ziehen sich in den für Fremde unwegsamen Drömling zurück, von wo aus sie in ihrer Verzweiflung und mit unzulänglichen Mitteln kleinere Einheiten der plündernden Soldateska angreifen.
Nach dem Einfall schwedischer Truppen bilden sich erneut partisanenähnliche Banden, mit der die altmärkische Bauernschaft an der Erhebung gegen die Fremdherrschaft teilnimmt, die in der der Schlacht bei Fehrbellin
(1675) gipfelt. Fontane hat dies später in seinem Roman Vor dem Sturm entsprechend gewürdigt.
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Die altmärkischen Vasallen sein schlimme, ungehorsame Leute, die dar nichts mit Guten tun, sondern reweche (störrisch) sein. Mein lieber Sukzessor
muss sie den Daumen auf die Augen halten und mit ihnen nicht gut umgehen, denn sie gar zu leichtfertige Gemüter unter sie sein.
(Friedrich Wilhelm I. v. Preußen, 1722) |
Über Jahrhunderte waren die Altmark und die Markgrafschaft Brandenburg
politisch und historisch eng miteinander verbunden, bis sie durch den Frieden von Tilsit, 1807, dem Königreich Westfalen zugeschlagen wurde.
Nach der Schlacht bei Leipzig (1813) eignet sich Preußen die Altmark an.
Die Neuordnung, die auf dem Wiener Kongress beschlossen wurde, ließ die Altmark Teil der preußischen Provinz Sachsen werden. 1945 Teil des Landes Sachsen-Anhalt, seit 1952 zum Bezirk Magdeburg gehörend.
Volkskundliches
Die Vielfalt altmärkischer Volkskunst lässt
sich heute nur noch in den Heimatmuseen bestaunen, die mit viel Fleiß in einigen Gemeinden entstanden sind. Heimatvereine und viele Einzelpersonen bemühen sich, noch zu retten was zu retten ist. Aber die Quellen versiegen und zukünftige Generationen werden es schwer haben, noch etwas vom Leben unserer Vorfahren zu erahnen. Heute wissen manche noch was eine Stimmstute war. Aber wie lange noch?
Oder das Treiben in den Spinnstuben? Die alten Sagen und Legenden um den Drömling oder Das Wilde Heer?
Die Spinnstube war über lange Zeit zentraler Ort dörflichen Geschehens. Dort kamen die Frauen und Mädchen zusammen, um gemeinsam den Flachs zu spinnen, aus dem das Leinen entstand mit dem Kleidung, Bettwäsche und manches mehr gefertigt wurde.
Darüber hinaus waren die Spinnstuben aber auch ein Ort, an dem man sich austauschen konnte über das aktuelle Geschehen, das was wir heute als eine Art Informationsbörse bezeichnen würden.
Es muss allerdings auch ziemlich lustig zugegangen sein, wenn die Arbeit getan war. Die Frauen sangen und tanzten und die Männer des Ortes nahmen regen Anteil. Die dort angeblich herrschende Zügellosigkeit rief die Moralisten auf den Plan, die solange nicht ruhten, bis es zu zwei in der Brandenburgischen Polizeiordnung ausgesprochenen Verboten der Spinnstuben kam (1622 und 1682). "Unfleiß, Unzucht und Rauferei" sollte ein Riegel vorgeschoben werden. Erfolglos, die ökonomische Notwendigkeit war stärker als moralische Bedenken. Die Stuben hielten sich zum Teil bis zum Beginn unseres Jahrhunderts.
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In der Gegend von Kerkau war einmal ein junger Bauernsohn, der starb und weiß der Himmel wie's kam, man vergaß, ihm den Zehrpfennig mit auf die Reise zu geben, und da währte es denn nicht lange, so starben seine Mutter und alle Geschwister nach, die holte er alle zu sich; nur sein Stiefvater blieb übrig, und das war natürlich, denn er war kein Blutsverwandter.
(Kuhn/Schwartz: Norddeutsche Sagen.)
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Sagen und Märchen waren Teil der mündlichen Überlieferung und wurden von Generation zu Generation weitergegeben. Und natürlich wandelten sie sich im Laufe der Zeit und
passten sich den geänderten Gegebenheiten an. Im 19. Jahrhundert begannen nicht nur die Brüder Grimm Volkssagen und -erzählungen zu sammeln und zu veröffentlichen. Auch Adalbert Kuhn und Richard Schwartz auf ihren Wanderungen durch die Altmark, sowie der Gardeleger Ludolf Parisius bemühten sich, Volkes Stimme zu dokumentieren. Wohl einer der ersten Erforscher war der inzwischen fast vergessene Johannes Prätorius, dessen Schriften die wichtigste Quelle der Grimms darstellte. Übrigens gilt er als der Entdecker des sagenhaften Rübezahl. Ihnen allen verdanken wir ein Wissen, das ansonsten sicher schon längst vergessen wäre.
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Der Acker zwischen Rohrberg und Ahlum gehörte ehemals den Rohrberger Bauern, aber die Schulenburgs in Beetzendorf hatten einmal einen gar ungerechten Richter und fingen einen Streit mit den Rohrbergern um diesen Acker an, in welchem sie den Richter mit dem Kalbe bestachen, wofür er ihnen den Acker zusprach. Aber das hat Gott nicht ungestraft gelassen, und er
muss nun jetzt mit seinem Kalbe, das er an einem Bande leitet, in der Nähe des Burgwalls ohne Kopf umgehen; andere haben ihn auch zuweilen auf einem Schimmel, aber ebenfalls ohne Kopf reiten sehen.
(Kuhn/Schwartz: Norddeutsche Sagen.)
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Der Helljäger, in manchen Gegenden der Altmark auch Ewiger Jäger oder Hackelberg genannt, ist eines der dämonischen Wesen, die die Nächte unsicher macht und den einsamen Wanderer das Fürchten lehrt. Er führt das Wilde Heer durch Sturm und Nacht und die Menschen beeilen sich, die Türen und Fenster zu sichern, wenn sie das Gröhlen und Wiehern der Pferde hören, mit denen die Meute Jagd macht. Gepeinigte Seelen sind es, die zu Lebzeiten so manches Unrecht auf ihre Schultern luden und nun ruhelos durch die Nächte streifen bis ans Ende aller Tage.
Unter den Hausgeistern kennen wir Frau Harke, den launischen Kobold
(Düwwl, Giemk) und sogar einen dreibeinigen Hasen, der mit Vorliebe den Kühen die Milch aussaugt.
Geburt:
"Die Frau, die guter Hoffnung ist, muss alles essen, wonach es ihr gelüstet, sonst wird
später das Kind die Speisen nicht essen können, die sie jetzt nicht bekommt. Sie darf keine Leiche anschauen, das Kind könnte sonst zeitlebens eine Totenfarbe haben. Wenn sie vor etwas erschrickt, wie z. B. vor einer Maus oder vor Feuer, darf sie ihr Gesicht nicht mit der Hand berühren, ihr Kind könnte an derselben Stelle ein Muttermal in Gestalt einer Maus oder einen roten Flecken bekommen. Die Nachgeburt
muss an einem Ort eingegraben werden, wohin weder Sonne noch Mond scheinen, um zu vermeiden,
dass das Kind eine gelbe Gesichtsfarbe davonträgt."
(Eduard Schulze: Beiträge zur Volkskunde der Altmark.)
Heirat:
Die Hochzeit hatte früher eine weit größere ökonomische Bedeutung als heute. Man war bemüht, durch das Zusammenführen zweier Familien deren
wirtschaftliche Situation zu verbessern. Dementsprechend spielte die persönliche Zuneigung der Brautleute eine kleine bis gar keine Rolle. Eltern und Freiwerber trafen die nötigen Absprachen, es kam nicht selten vor,
dass sich Braut und Bräutigam bis zur gegenseitigen Besichtigung der Höfe noch nicht gesehen hatten. Der Ehekontrakt, der schon bei der Verlobung in Anwesenheit des Pfarrers, aufgesetzt wurde, enthielt detaillierte Angaben zu Mitgift, Aussteuer und Altenteil. Geheiratet wurde am Ort des Hoferbes, häufig um Pfingsten, wenn die Feldarbeit noch nicht so intensiv betrieben werden
musste.
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Um der bäuerlichen Üppigkeit Einhalt zu gebieten, sahen sich in der Zeit der Grundherrschaft die Schulenburgs
veranlasst, bei 3 Taler Strafe ihren Untertanen zu befehlen, auf einer Ackermannshochzeit nicht mehr als 14 Tonnen Bier zu verbrauchen, einem Kossaten sollte die Hälfte zustehen. Im Jahre 1850 wurden auf einer Hochzeit 2 Ochsen, 4 Schweine, 4 Kälber und 40 Hühner geschlachtet, 20 Tonnen Bier und zwei Tonnen Branntwein getrunken.
(Schulze: Beiträge...) |
Bis zu einer Woche konnten diese Feiern dauern. Die Zeremonie selbst variierte in den einzelnen Gemeinden. Üblicherweise trug die Braut eine mit künstlichen Blumen geschmückte Krone, an der lang herabhängende Brautbänder aus bestickter Seide befestigt waren. Ein ähnliches Band trug der Bräutigam als Schärpe über der Brust. Brautlauf, der Kampf um das Spinnrad und Brauthahn sessen wurde an den folgenden Tagen zelebriert.
Tod:
Das Volksbrauchtum hat naturgemäß Tod und Bestattung mit besonders vielen Ritualen und Verhaltensregeln umgeben. Warnende Vorzeichen wie der Schrei eines Käuzchens sind nicht auf die Altmark beschränkt. Bestimmend war lange Zeit die Furcht vor der möglichen Wiederkehr des Verstorbenen. Um dies zu verhindern,
musste sofort das Fenster geöffnet werden, um der Seele zu ermöglichen, hinauszufliegen. Gegenstände des täglichen Bedarfs wurden in den Sarg gelegt, unter die Zunge wurde eine Münze als Fährgeld gelegt. Um zu verhindern,
dass die Leiche später als Nachzehrer versucht Verwandte zu sich ins Grab zu ziehen, wurden namentliche Kennzeichnungen aus den Leichenkleidern entfernt und es wurde darauf geachtet,
dass weder Kleidung noch noch Kranzschleifen die Lippen des Toten berührten. Junge Mädchen wurden aus demselben Grund mit vollem Brautschmuck bestattet.
Im Anschluss an das Begräbnis fand die Liekenköst oder Liekenbeer statt. Hinterbliebene und Gäste treffen sich zum Leichenschmaus. Je ausgiebiger gegessen und getrunken wird (dat Fell versupen), umso zufriedener vermutet man den Verstorbenen. Auch dies ein Versuch, die mögliche Wiederkehr zu verhindern. Nicht selten schlugen diese Feiern in ausgelassene Heiterkeit um.
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